Lebendige Mädchen lügen nicht

Ich habe „Tote Mädchen Lügen Nicht“ gesehen und seitdem stelle ich mir immer wieder die gleiche Frage: Wie habe ich es geschafft, zu überleben?

Wie habe ich es geschafft, das zu überleben? Meine Kindheit, die Schulzeit, das Erwachsenwerden, das Leben. Der Schmerz von all dem, was je passiert ist, ist immer noch abrufbar. Er ist nicht mehr unüberwindbar, aber er ist nicht vorbei. Das ist ein wichtiges Thema, das Ende vom Schmerz und wann Außenstehende denken, es sei bereits in Sicht. Genau diese Fehleinschätzung kann dazu führen, dass einem ein Mensch entgleitet. Aber darum geht es jetzt nicht.
Ich denke, es gibt nur einen einzigen Grund, warum ich noch lebe: Ich hatte schon immer Angst vorm Tod. Ich habe nicht Angst vorm Sterben an sich, aber vor dem, was danach kommt. Die allererste Panikattacke in meinem Leben war genau dieser Angst geschuldet; sie kam aus dem Nichts, ich war noch klein und auf dem Weg zu meiner Oma. Vielleicht sind es inzwischen 20 Jahre, in denen diese Panikattacken immer wiederkehren. Wer selbst Panikattacken hat, weiß, wie furchtbar sie sind. Aber trotzdem sind sie es wohl, denen ich verdanke, noch zu leben.
Meine psychischen Schmerzen waren oft, wirklich oft, so groß, dass ich nicht dachte, dass sie vorbei gehen könnten, solange ich noch lebe. Dennoch passierte nie mehr, als der Versuch mir mit dem Kopfkissen die Luft zu nehmen und sobald mir komisch wurde, hörte ich auf.
Ich verletzte mich selbst. Aber nicht auf eine Art, dass es jemand mitbekommen hätte. Ich habe mich selbst geschlagen. Auf meine Oberschenkel. So doll, dass ich nicht wusste, ob meine Hand oder mein Bein mehr weh tat. Und dann lachte ich. Während ich weinte. Es war genauso bedrückend und einem klischeebehafteten Film über Psychopathen gleich, wie es klingt.
Meine Schmerzen kamen von außen, blieben am Ende aber ganz tief drinnen. Damit meine ich nicht die Empfindungen nach meinen Schlägen. Es geht um die Dinge, die andere mit mir gemacht haben. Das meiste davon in meiner Kindheit.
Es gibt diese Menschen, die sagen, die Schulzeit sei die beste Zeit überhaupt gewesen. Sie sagen das, wenn Kinder keinen Bock auf den Unterricht haben und sie sagen das, wenn sie selbst keinen Bock auf 9 to 5 haben. Und ich wusste immer, dass das in meiner Welt nie der Wahrheit entsprechen kann.
Ich kann die Peiniger meiner Schulzeit in Gruppen aufteilen. Es gab „die zweifelhaften Freunde“ und „die Mitschüler/Mitläufer“.

Die zweifelhaften Freunde
Sie begegneten mir früh. Würde ich Namen nennen, würden sie, selbst wenn sie es hier läsen, sicher trotzdem nicht sich selbst zu ordnen. Ich denke nicht, dass die, die zu dieser Personengruppe zählen, heute nicht einschlafen können, weil sie sich bewusst darüber sind, was sie mit mir gemacht haben. Vielleicht war ihr Handeln nicht einmal Ausdruck ihrer schlechten Persönlichkeit oder ihrer, wie meine Klassenlehrerin damals über das eine Mädchen sagte, Sozialen Verwahrlosung. Vielleicht war es nur ein ausprobieren. Und deswegen wissen sie nicht, was es angerichtet hat. Das Verhalten der „zweifelhaften Freunde“ ist gut mit Zuckerbrot und Peitsche und allem, was ihr euch darunter vorstellt, zu beschreiben. Ich wollte gemocht werden und dadurch war ich leicht zu treffen. Mir wurden beste Freundschaften geschworen, um mich am nächsten Tag komplett zu ignorieren. Man verabredete sich mit mir, um zum Zeitpunkt des geplanten Treffens bei jemand anders zu sein. Man tuschelte während des Unterrichts über mich, sprach in der Pause normal mit mir, tuschelte wieder und wollte dann im Bus nicht mehr neben mir sitzen.
Ich war eins dieser Mädchen, das als allerletzte in die Sportmannschaft gewählt wurde. Nein, ich war nicht eines davon, ich war das einzige. Aber das ist okay. Damit verglichen, was sonst noch so war. Denn aus solchen Situationen entwickelte sich eine Dynamik, die auch bisher Unbeteiligte mit ins Boot holte.

Die Mitschüler
Aus heutiger Sicht weiß ich, wie schwierig es wäre, sich gegen die Mitläufer-Rolle zu wehren. Die, die das taten, hatten wahrscheinlich nicht einmal ein persönliches Problem mit mir. Es war mehr die eigene Angst, sonst zur Zielscheibe zu werden. Und manchmal, wenn die böse Seite mal ein bisschen angepikst wurde, gibt es dort so viele Abgründe, die noch ausgelebt werden könnten. Hänseleien waren irgendwie Alltag. Oder so was in der Art. Zumindest glaube ich nicht, dass sie mich noch groß gestört haben. Nachhaltig hat das natürlich viel mit meinen Selbstwertproblemen zu tun. Aber zu dem Zeitpunkt waren es andere Momente, die mich Stück für Stück zerbrechen lassen haben. Es gibt 3 Situationen, von denen ich bereit bin, zu erzählen. Alle fanden während der 5. und 6. Klasse statt.
Situation 1: Es war die letzte Doppelstunde des Schultages. Ich erinnere mich nicht, welches Unterrichtsfach, aber es war nicht in dem Klassenzimmer, in dem sonst Unterricht war und die Schüler waren unter den Parallelklassen gemischt. Es war ein guter Tag. Zu der Zeit verstand ich mich mit einem Mädchen besonders gut. Sie mochte Pferde, das reichte absolut dafür aus, dass ich sie mochte. Nach der Schule telefonierten wir manchmal noch. Es war ein guter Kontakt. Und dann war da dieser Tag. Die besagte „Freundin“ unterhielt sich mit 2 oder 3 anderen Mädchen, es war gerade Pause. Als ich dazu kommen wollte, wurde ich weggeschickt. Die Mädchen kiecherten und gingen zusammen raus. Sie stellten sich vors Fenster, so dass ich sie sehen konnte und ihre Gestiken machten deutlich, dass sie über mich sprachen. Sie sprachen und lachten. Dann kam ein Mädchen alleine wieder rein, sie kam zu mir und sagte diese wenigen Worte: „Ich soll dir von XYZ sagen, dass sie jetzt nicht mehr deine Freundin ist.“ Und in mir war ein Entsetzen, eine Traurigkeit, eine Fassungslosigkeit, für die ich nicht einmal ein paar bebildernde Worte finde. Ich fragte noch: „Warum?“ …
Situation 2: Matheunterricht. Matheunterricht fand in A- und B-Kursen statt. Also auch gemischte Klassen. In diesem Unterrichtsraum saß rechts neben mir ein kleines, zierliches Mädchen aus der Parallelklasse, das auch eher eine Außenseiterin war, aber dafür ne echt große Klappe hatte. Mit ihr fühlte ich mich einigermaßen sicher. Links neben mir ein Junge aus der Parallelklasse. Ein Junge, der mir die gesamten 45 Minuten Unterrichtszeit immer wieder die Nadel vom Zirkel in den Oberschenkel rammte. Es war kein neckisches mal Piksen, weil wir Vorpubertär sind, es war Gewalt. Jede Mathestunde. Und Mathe war mein Lieblingsfach.
Situationen 3: Lach doch mal! Ich befand mich schon lange in der Mobbing-Situation. Ich versuchte nicht mehr, gemocht zu werden, ich bildete mir nicht ein, dass es eine Chance dafür gäbe. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte auch nicht mehr zur Schule. Ich fuhr nicht mehr mit dem Schulbus. Meine Mutter brachte mich persönlich. Jeden Morgen holten mich die gleichen Mädchen direkt vom Auto ab. Für meine Mutter das Zeichen, dass ich doch Freunde hatte. Für mich der Moment, in dem das Drama anfing. Ich kann mich nicht an die Augenfarben der Mädchen erinnern, aber ich weiß genau, wie sie geguckt haben. Sie haben sich gefreut. Darüber, dass ich endlich da war. Darüber, dass der Spaß endlich los ging. Sobald ich ausstieg, war ich sicher, dass ich nie wieder glücklich sein werde. Ich lachte nicht mehr. Ich konnte nicht mehr zu tun, als wäre es okay. Und wer kennt es nicht, wenn zum Teil fremde Menschen sich heraus nehmen, einen darauf aufmerksam zu machen, dass man doch nicht zu grimmig gucken solle. Bis heute bin ich auf solche Aussagen allergisch. Aber an dem Tag folgte der viel zu bildliche Schritt, um mir ein Grinsen festzutackern. Mir wurde in die Wangen gekniffen, die Mundwinkel hochgezogen und die Haut versucht zwischen Ober- und Unterseite des Tackers zu klemmen. Meine Wangen waren zu dick. Danke, Pausbäckchengott.


Starke Kinder mobben nicht! Ein Text auf der Seite des Verlages "Briefgestöber", an dem ich gemeinsam mit der Kinder- und Jugendtherapeutin Gundula Göbel geschrieben habe.

Hier findet ihr einen Text über Mobbing, den ich 2015 für den Blog geschrieben habe.


Weltgesundheitstag / Thema: "Depressionen - Let's talk"

Am 7. April ist der Weltgesundheitstag. Nachdem dieser im letzten Jahr dem Thema Diabetes gewidmet war, geht es 2017 um Depressionen. Beides Themen, die mich beschäftigen – und vor allem auch betreffen. Leider handelt es sich dabei um keinen seltenen Zufall, denn (Typ 1) Diabetiker haben ein fast doppelt so hohes Risiko an Depressionen zu erkranken als gesunde Menschen. Aus meiner Sicht ist das kein Wunder. Einerseits bringt der Diabetes mehr oder weniger eine Sonderstellung in der Gesellschaft mit sich, mit der jeder für sich umzugehen lernen und dabei so manche Sprüche verkraften muss. Andererseits bleibt dieser dauernde Kampf um die perfekten Blutzuckerwerte, den niemand ohne Ausnahmen gewinnen kann und somit immer wieder vor einer persönlichen Niederlage steht.

Manchmal dauert das Gefühl, dem allem nicht gewachsen zu sein, einen Tag an und dann kommt man wieder auf die Beine. Manchmal nimmt es aber auch ein Ausmaß an, das alles andere im Leben überschattet. Wenn das der Fall ist, ist das keine Schwäche der Persönlichkeit oder - im Falle von Typ 1 Diabetes - Unvermögen im Diabetesmanagement, sondern es ist eine Krankheit.

Depressionen sind eine Krankheit, die sich niemand selbst aussucht oder einbildet.

Depressionen müssen ernst genommen und behandelt werden!
Als meine Depression 2010, zu dem Zeitpunkt war ich 19, diagnostiziert wurde, hatte ich mich selbst in eine psychiatrische Tagesklinik einweisen lassen. Bereits einige Jahre zuvor sagte mir meine Hausärztin, ich hätte "depressive Verstimmungen", was einer leichten, bis mittelschweren Depression gleichzusetzen ist, doch unternommen wurde in dem Moment von keiner Seite aus etwas. Als ich beschloss, mir Hilfe zu suchen, tat ich das nicht mit dem Gedanken: "Gut, ich bin depressiv, da brauche ich natürlich Unterstützung." Ich machte es, weil ich kein normales Leben mehr führen konnte, weil ich Ängste hatte und traurig war - und weil ich der Meinung war, dass das alles meine eigene Schuld wäre.
Nach Gesprächen und (Blut-)Untersuchungen (unter anderem des Serotonin und Cortisol-Wertes) stand die Diagnose fest, ich hatte offiziell Depressionen. Ich war krank und nicht zu schwach. Ich war krank und nicht faul, nicht nutzlos, nicht nur traurig. (#notjustsad)

Einige Zeit, bevor die Diagnose bei mir gestellt wurde (und auch in der Anfangszeit danach) gab es Verständnisschwierigkeiten mit dem Begriff "Depression". Von einer damaligen Freundin wurde es mit "depri-sein" gleich gesetzt. Was in dem Fall ein Synonym für "einen schlechten Tag haben", "traurig sein, weil der Schwarm ne andere angelächelt hat" oder "keinen Bock auf das regnerische Wetter haben" war. Aber darum ging es bei mir nicht.

Zu der Zeit gab es auf meinem Radar aber auch keine Jana Seelig oder andere "Diabetes-Aktivisten", wenn das ein angemessener Begriff für Betroffene ist, die versuchen, die Stigmatisierung in der Öffentlichkeit zu beenden. Ich hatte nichts und niemanden, an dem ich mich orientieren konnte. Zudem waren Depressionen ein noch viel größeres Tabuthema als heute. Im Prinzip gab es sie einfach nicht. Und wenn doch, warum sollte man darüber reden?

Seit dem Tag meiner offiziellen Diagnose habe ich mich nie dafür geschämt, in einem Gespräch fallen zu lassen, dass ich depressiv bin. Warum auch? Sollte ich mich schämen? Nein. Treffe ich dadurch aber vielleicht andere Betroffene, die mit mir (oder einer x-beliebigen Person) darüber reden mögen? JA.

Als meine Depressionen festgestellt wurden, hatte ich seit 2 Jahren Typ 1 Diabetes. Zu dem Zeitpunkt habe ich zwischen den beiden Krankheiten keinerlei Zusammenhang hergestellt. Vielleicht war er da und ich habe ihn nicht wahrgenommen, vielleicht gab es ihn aber wirklich nicht.
Heute gehören schwankende Blutzuckerwerte und das Leben mit Typ 1 Diabetes im Allgemeinen durchaus zu meinen Triggern, die zu einer depressiven Phase führen können.

Aber Depressionen haben eben noch so viele andere Auslöser, die individell und manchmal auch schwer zu greifen sind. Depressionen können jeden (be)treffen. Chronisch krank oder nicht. Leute, die oberflächlich betrachtet alles haben, was sie brauchen, um glücklich zu sein, können genauso gut Depressionen haben wie arme, einsame Menschen.
Manche Psychotherapeuten nennen das Krankheitsbild einen Beinbruch der Seele. Zur Verdeutlichung, dass Depressionen jeden Treffen können, aber auch zur Sensibilisierung der Ernsthaftigkeit.

Um meine Depressionen managen zu können, nehme ich seit der Diagnose Antidepressiva. Jeder sollte für sich entscheiden, ob er einen Weg mit Medikamenten oder ohne einschlagen will, schließlich sind diese Tabletten nicht uneingeschränkte Glücklichmacher. In einem Abstand von drei Monaten habe ich Termine bei meiner Neurologin, die mir die Antidepressiva verschreibt, aber auch Blutwerte kontrolliert und mit mir über die Dosierung oder den Verlauf der Therapie spricht. Außerdem gehe ich zur Psycho- und zur Points and Positions Körpertherapie. Auch eine Ergotherapie kann hilfreich sein.

Der Weltgesundheitstag soll in diesem Jahr Depressive dabei unterstützen, ihre Erkrankung ernst zu nehmen, sie behandeln zu lassen und sich selbst wegen der Depressionen nicht wertlos zu fühlen (auch wenn das ein Symptom der Depression sein kann).

Weitere Symptome einer Depression können u.a. sein:
  • keine Freude mehr empfinden, auch nicht bei den eigentlich Lieblingsbeschäftigungen
  • Hoffnungslosigkeit, du kannst dir nicht vorstellen, dass es dir je besser geht
  • Antriebslosigkeit, du hast nicht das Gefühl, dich darum kümmern zu können, dass es besser wird
  • kein Selbstwertgefühl, du denkst, du bist es gar nicht wert, dass dein Leben wieder schöner wird
  • Müdigkeit oder Schlafstörungen, du fühlst dich nie erholt und fit und wartest den ganzen Tag darauf, dich wieder im Bett verkriechen zu können
  • Sozialer Rückzug, du willst alleine bleiben und denkst, niemand versteht dich, niemand kann dir helfen

Ebenso können ein anderes Essverhalten, Aggressionen, ständiges Kranksein (auch körperliche Schmerzen) Anzeichen sein. Ich kann hier gar nicht alle Symptome auflisten, ohne ein individuelles Anzeichen zu vernachlässigen oder etwas wichtiges zu vergessen.
Vielleicht lässt es sich damit zusammenfassen, dass bei einer Depression nichts mehr so ist wie vorher – und das im negativen Sinne.

Solltest du dich oder jemanden, der dir nahesteht, in diesen Punkten wiederfinden, suche dir Unterstützung, kontaktiere Hilfestellen!

Laut frnd.de vergehen 11 Monate einer Depression, bis der Betroffene ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Bitte versuche, dir selbst früher Hilfe zu suchen. Desto eher wird es dir besser gehen; selbst wenn du mir in diesem Moment nicht glaubst, dass es wieder besser werden kann.
  
Hilfe findest du via Internet, Telefon oder im persönlichen Gespräch beim Arzt deines Vertrauens. Du wirst Tipps und Unterstützung bekommen, einen Weg zu finden, die Depression zu überstehen.
Bei weiteren Untersuchungen oder Gesprächen, wirst du mehr über dein Krankheitsbild erfahren. Denn Depressionen haben nicht einen immer gleichen Verlauf, es gibt verschiedene Formen der Erkrankung und damit auch verschiedene Hilfen.
 
Neben verschiedenen Therapien kannst du dir auch selbst helfen. Mit der Zeit lernt man das, versprochen! Du kannst dein Leben so gestalten, dass es dir eine gute Basis für gute Zeiten bietet: Gute, gesunde Ernährung (aber dann auch der Eisbecher zwischendurch), Bewegung und Entspannung, frische Luft und die Sonne (Vitamin D) und soziale Interaktion sind Beispiele dafür.

Der Weltgesundheitstag richtet sich mit dem Thema Depressionen aber auch an Verwandte, Freunde, Bekannte und Partner von Betroffenen. 
Denn diese können eine große Stütze in dieser Zeit sein. Das ist kein leichter Job, denn Depressive können unfair, ungnädig und unausstehlich sein. Aber das darf kein Grund sein, sie damit alleine zu lassen.
Verhaltensweisen, die ich mir in einer depressiven Phase wünsche sind z.B.:
  • den Zustand akzeptieren! Verstehen, dass ich gerade nicht glücklich sein kann, obwohl das Gegenüber es sich wünscht
  • den Zustand ernstnehmen und nicht versuchen, es zu verharmlosen! Das führt zu Rückzug und macht die depressive Phase unter Umständen noch schwerer/schlimmer
  • einfach da sein, keinen Druck machen und die ganze Zeit fragen, was helfen würde! Vielleicht aber in einer guten Phase mal darüber reden, was derjenige denkt, was ihm helfen könnte, wenn es wieder soweit ist und das dann umsetzen
  • keinen Druck (oder ein schlechtes Gewissen) machen! Damit meine ich, sprich bitte nicht aus, dass es auch nicht leicht für dich ist oder frage, ob euer Ausflug morgen trotzdem steht
  • Im Notfall handeln und einen Arzt oder den Psychologen kontaktieren!
    Denn mindestens 50% aller Suizide werden aufgrund einer Depression begangen. Wenn du das hier liest, bitte ich dich, dass weder du noch jemand den zu kennst, Teil dieser Auswertung wirst bzw. wird.Warnsignale eines bevorstehenden Suizides oder eines -versuchs, findet ihr hier.

Es wird besser. Vielleicht gehen die Depressionen nie weg, vielleicht kommen sie sogar regelmäßig zurück. Aber das muss nicht bedeuten, dass dein Leben vorbei ist oder du nicht trotzdem viel öfter glücklich als depressiv sein wirst.
In den letzten Jahren habe ich gelernt, die Anzeichen einer Depression zu deuten, ich habe akzeptiert, dass es im tiefsten Moment nicht möglich ist, sofort rauszukommen und ich habe verstanden, dass eine Depression vorbei geht. Mit Hilfe.

Links zum  Weltgesundheitstag und Depressionen:
www.frnd.de (eine Seite, auf der ich selbst viel gelernt und mich plötzlich verstanden gefühlt habe)

Bücher, Blogs und Videos zum Thema, die mir am Herzen liegen:


Unter dem Label #Kopfkram und #Depressionen findet ihr auf meinem Blog von mir verfasste Beiträge über depressive Phasen.


Egal, wie es dir geht oder womit du kämpst: Du bist weniger allein, als du denkst.


*Affiliatelink

LiebesTagebuch von Steffi Kessler

„Liebes Tagebuch,

heute war schon wieder ein Tag.“

Ungefähr das wäre der Inhalt meines Résumés über die letzten Stunden, müsste ich es auf ein Blankopapier bringen. Und dabei mache ich mir ja gerne (und oft) Gedanken über meinen Tag. Über meine Gefühle. Über all den Kram. Sonst würde ich hier auch nicht ständig darüber schreiben. Trotzdem fehlt einem manchmal der rote Faden, der einem hilft, die Erlebnisse des Tages einzuordnen und vor allem das Gute hervorzuheben, finde ich. Mir zumindest ging es so. Dabei wird alles so viel besser, wenn man sich auf das Gute konzentriert – und zwar am besten schon dann, bevor man es erlebt hat. Vorfreunde ist die schönste Freude und so weiter, ihr wisst schon!

Wie wäre es, sich jeden Morgen einen Grund zur Vorfreude auf den Tag zu suchen?
Wie wäre es, für sich zu sorgen und sich die schönsten Komplimente des Tages einfach selbst zu machen?
Gut, oder?

Die liebe Steffi Kessler hat ein ganz besonderes Tagebuch entwickelt, das helfen soll, die Selbstliebe in den Alltag zu integrieren und dadurch bereit für eine Beziehung voller Liebe zu sein.




Das LiebesTagebuch
Das LiebesTagebuch beginnt mit einer kleinen Einleitung zu dem, was einen in der Zeit des Tagebuchführens erwarten wird. 6 Monate lang sollte man jeweils an 5 aufeinander folgenden Tagen 3 Fragen am Morgen und 2 am Abend beantworten, um sich dem Guten in sich selbst bewusster zu werden. Außerdem gibt es jede Woche eine neue Aufgabe, die einen dabei unterstützen soll, „zu werden, wer man ist“. Beispiel einer Wochenaufgabe: Realisiere in dieser Woche zwei Dinge, auf die du Lust hast. Wie hat sich das angefühlt? War es das Richtige? Wie zu Beginn schon gesagt, bin ich ja eigentlich sehr gut darin, mich mit meinem Erlebten auseinanderzusetzen. Trotzdem hatte ich manchmal Momente, in denen es mir schwer fiel, das Tagebuch wirklich regelmäßig auszufüllen. Als ich Steffi davon berichtete, sagte sie mir, dass das nicht ungewöhnlich sei, da diese neue Aufgabe für das Gehirn genauso ungewohnt und anstrengend sein kann als würde man einen neuen Muskel trainieren.
Bevor man mit dem ersten Tagebucheintrag beginnt, hat Steffi vorausschauenderweise einen kleinen „Vertrag“ in das Buch eingebaut, den man mit sich selbst abschließt, um das Projekt nicht einfach abzubrechen. Dort trägt man ein, welche Gedanken einen am Schreiben hindern und welche Maßnahmen dem entgegentreten könnten und dazu noch, wo das LiebesTagebuch samt Stift immer bereit liegen wird. Außerdem notiert man, welchen Wunsch man sich innerhalb der nächsten 6 Monate erfüllen will.




Und dann geht’s los - Ein Beispieltag von Steffi

morgens

Wofür an/in mir bin ich heute besonders dankbar:
Für den spannenden Traum, den ich letzte Nacht hatte. Die Motivation in mir, meinen Traum zu verwirklichen. Ich bin dankbar dafür, dass mein Knie so gut verheilt ist.

Was werde ich heute tun, das mich glücklich macht?
Ich erstelle in Vision Board.
Meinen Freunden von meinem Buch erzählen.
In der Mittagspause einen Spaziergang machen, ohne Handy.

Ich bin heute:
Selbstbewusst; ich weiß, was ich kann und spüre das auch.

abends

Die schönsten Erlebnisse des Tages:
Ich war so motiviert beim Volleyball, das hat alle angesteckt.
Treffen mit meiner Freundin hat so viel Spaß gemacht.
Der aufregende Blickkontakt mit dem süßen Verkäufer.

Was ich heute gut gemacht habe:
Mich nicht aus der Ruhe bringen lassen.





Jede Tagebuchseite ist mit einem von Steffi ausgewählten Zitat versehen. So was mag ich immer sehr. Außerdem zeigen all diese Details, wie viel Mühe Steffi sich gemacht hat. Was das LiebesTagebuch einfach noch persönlicher macht.


Fazit:
Mein persönlicher Weg mit dem LiebesTagebuch lief zeitweise etwas holprig, hat mir aber sehr schnell etwas klargemacht. Nämlich was ich an mir gut finde; damit ist ein Etappenziel allemal erreicht. Die erste Frage des Tages war die, die mir am leichtesten fiel, die ich allerdings immer sehr ähnlich beantwortete. Denn mir ist aufgefallen, wie gut ich für meine Bedürfnisse sorgen kann. Und das auch immer mehr tue. Die Frage, die mir am schwersten fiel, war auch eine der Fragen am Morgen, bzw. ein zu vervollständigender Satz: Ich bin heute. Eines morgens schrieb ich in das Feld: ...erschöpft. In dem Moment, als ich den Stift wieder abgesetzt habe, war mir klar, dass das da nicht hingehört, aber nun stand es da. Dann habe ich mich erst einmal über mich geärgert – ich erfüllte quasi alles, was das Tagebuch „bekämpfen“ sollte. Aber dann nahm ich mir Tipp-Ex und übermalte das „erschöpft“ und ersetze es durch „bereit, Dinge anders zu sehen“. Vielleicht war das letztendlich der wichtigste Eintrag für mich.
Etwas, mit dem ich gar nicht zurecht kam, waren die Wochenaufgaben. Richtig erfüllt habe ich wahrscheinlich keine einzige. Dennoch war es immer ein Denkanstoß, den Steffi mir damit gegeben hat.
Das Buch hat mir geholfen, mich mehr auf mich zu konzentrieren. Über meinen Tag nachzudenken und nicht über irgendeinen Tag.
Und dann kam da plötzlich dieser Ansporn zu, bewusst jeden Tag etwas zu machen, was mich glücklich macht, um dieses Feld im Tagebuch nicht mit irgendeinem Blabla zu füllen.


Interesse an dem LiebesTagebuch?
Zurzeit bietet Steffi das Tagebuch hauptsächlich als Teil ihres Coachings an, um dort direktes Feedback erhalten zu können, daher gibt es gerade keine öffentlichen Infos mehr dazu auf ihrer Seite. Per Mail könnt ihr es weiterhin bei ihr erhalten.


Foto: steffikessler.squarespace.com

Über Steffi Kessler
Steffi lebt und arbeitet in Berlin. Sie begleitet Menschen mit Bindungsangst oder anderen, ähnlichen Problemen in Partnerschaften als Caoch mit dem von ihr entwickelten 5-Stufen-System. Aber Steffi hilft nicht nur den Menschen in Berlin, sie bietet auch Online-Coachings an und hat einen Youtube-Kanal, auf dem sie aktuelle Themen bespricht.




Mit ihrer lieben, offenen und geerdeten Ausstrahlung ist Steffi eine ganz große Inspiration für mich und ich freue mich, dass ich mit ihrem LiebesTagebuch arbeiten durfte.

Steffis Website (inklusive Kontaktformular) findet ihr hier.
Steffis Youtubekanal findet ihr hier.
Ihr aktuelles Video zur SelbstLiebewoche #1 findet ihr hier.


Steffi ist übrigens die Schwester von Ellen Kessler, die ich als meine Reitlehrerin in diesem Post schon einmal erwähnte. Gemeinsam veranstalten die beiden Workshops zu dem Thema "Reiten und Körperarbeit". Mehr dazu findet ihr hier.

Real Talk zwischen Herz und Seele

Manchmal glaube ich, eine Ahnung von meiner Person zu haben. Eine Idee davon, was das wird, wenn es fertig ist. Problem: Wann ist ein Mensch fertig? Ich denke immer noch in „Wenn ich groß bin“-Phrasen. Wie gruselig es wäre, wenn ein Mensch fertig ist oder es überhaupt sein könnte. Nicht kaputt-fertig. Sondern alle-Level-durchgespielt-fertig. Wobei es sicher diejenigen gibt, die mit einem gepflanzten Baum, einem Haus und einem irgendwo zwischen Haus und Baum spielendem Kind ihre Ziele als erreicht ansehen un denken, das ist dieses "fertig". Aber mir geht es gar nicht um die persönlichen Ziele. Mir geht’s um dieses undefinierbare in unser aller Dasein. Wenn ich groß bin, will ich wissen, wo da der ganze Sinn ist. Warum man so oft kaputt-fertig ist und wieso es wichtig ist, was man wird und wie man wird und ob es hilft zu denken oder ob nicht zu denken nicht irgendwie easier wäre und während ich das denke, denke ich mir gleich die Antwort dazu und ich antworte der Antwort. Und das macht mich schon wieder ein bisschen kaputt-fertig, bringt mich dem Persönlichkeits-Fertig aber kein Stückchen näher. Was gut ist, weil ich ja fertig zu sein irgendwie gruselig finde. Trotzdem wüsste ich so gerne mehr darüber.

Weder an meiner Körpergröße noch an meinem Alter kann es liegen, dass ich mich nicht als groß ansehe oder mich so wahrnehme. Aber in meiner Welt fehlen mir bestimmte Eigenschaften, ohne die ich keinesfalls startbereit für das ganze schöne Chaos zwischen Köpfen und Herzen und Bäumen und Häusern sein kann. Ich kann zum Beispiel keine geraden Brotscheiben schneiden - ohne gerade Brotscheibe keine Competition. Außerdem richten sich meine geplanten Veränderungen im Leben eher nach dem Schuljahreswechsel als nach Silvester. Und in Wahrheit habe ich nicht den reinsten Schimmer vom Datum des Sommerferienendes. Deswegen kommen Veränderungen einfach wie ein Regenschauer an warmen Tagen dazwischen. Das unangenehme daran: Man wird nass. Das angenehme daran: Petrichor.

Zwischen all das drängt sich immer wieder dieser Moment, der mir einreden will, dass ich irgendwie einen Plan habe. Oder zumindest die Herangehensweise an die Planung verstanden habe. Ich fühle mein Herz und ich fühle meine Seele. Und beides sind harmonische Pissnelken. Irgendetwas zwischen oberflächlich und tiefgründig und voller Liebe und Schmerz und so emotionslos. So recht weiß ich nicht wie, aber ich habe meinen Weg damit gefunden. Ein Weg, auf dem ich so viel denke, dass mir manchmal der Treibstoff dafür ausgeht und dann will ich auftanken und lande an siffigen Tankstellen und kann mich nicht durchringen, kurz durch die Pisse der LKW-Fahrer zu waten, um danach weiter zu können. Weiter weg. Oder auch einfach nur voran. Und dann wird’s manchmal dunkel. In mir, um mich. Und ich frage mich, was all dieser Persönlichkeitskram soll und warum zu genau meiner Person dieses kaputt-fertig sein gehört, aber nicht das Gefühl, jemals fertig mit mir sein zu werden. Manchmal ist es, als würde ich mich von Tag zu Tag verändern. Mich entwickeln. Wer werden. Jemand sein. Und dann bin ich. Für einen Moment bin ich da und ich bin glücklich und dann geht’s weiter. Und der Regen an warmen Tagen wässert meine Pissnelken in Kopf und Brust und danach riecht alles nach Veränderung. Und dann bin ich ich. Und das reicht.

Jetzt live: die Depression

Ich fühle mich fürchterlich. Glaube ich. Ich denke, dass ich mich nicht gut fühle, aber wenn ich versuche, in das Gefühl reinzuspüren, ist da gar nichts. Alles ist schlimm und alles ist nichts. Irgendwie ging das Gefühl abhanden. Das Gefühl zu mir und das, was mit Emotionen zu tun hat. Ich schreibe das hier aus zwei Gründen. Erstens, weil ich nicht weiß wohin mit mir und mich komplett alleine fühle. Zweitens, weil mir mal jemand geschrieben hat, dass er durch meine Texte jemand depressiven aus seinem Umfeld manchmal besser verstehen kann, weil die Person selbst ihr Problem nicht formulieren kann. Das Problem. Eigentlich habe ich keine Ahnung, ob ich gerade ein Problem habe. Ich fühle mich fürchterlich. Ohne Grund. Es ist nichts passiert. Nichts offensichtliches. Und eigentlich ist alles schön. Alles gut. Aber seit Tagen wurde es immer weniger gut, obwohl es in Wahrheit alles gleichbleibend gut ist. Ich möchte heulen, aber irgendwie kommt dabei nichts weiter raus, als nur verschwommen gucken können. Das wars. Ich kann nicht handeln gerade. Und wenn, dann nur mit viel Taubheit und Anstrengung. Ich kann nicht denken. Und wenn, dann nur mit viel Taubheit und Anstrengung. Ich kann nicht atmen. Und wenn, dann mehr ein als aus und das macht ein ganz komisches Schwindelgefühl. Es ist nicht gut. Ich möchte die Augen schließen und meinen Kopf auf der Tastatur wälzen und ich möchte, das alles still ist. Ich will alleine sein, aber komme nicht damit klar, alleine zu sein. Ich fühle mich alleine und alleine gelassen und beides zu unrecht und trotzdem fühlt es sich ganz fürchterlich an. Glaube ich. Ich möchte in diesem Moment gerettet werden. Obwohl ich weiß, dass es in ein paar Tagen wieder okay sein wird. Es wird vorbei gehen und ich werde mich besser fühlen. Dieser Zustand bleibt nicht für immer. Aber trotzdem ertrage ich ihn in diesem Moment nicht. Ich möchte nicht alleine sein, aber schon die Anwesenheit der Katze überfordert mich. Ich möchte eben doch alleine sein. Aber mich nicht so fühlen. Ich möchte etwas sinnvolles fühlen. Alles fühlt sich schwierig an. Nicht mal schreiben kann ich ordentlich. Aber ich ertrage es nicht, das in mir zu haben. Die Buchstaben und das Schwierige.
Eigentlich ist alles gut, ich weiß das. Aber alles, was ich weiß, hat gerade nichts mit dem Rest zu tun.